Seelische Heilmassage

Northern Spirit im Heimat- und Kulturhaus in Hellwege

Von Wilfried Adelmann

 

Es ist Advent. Und wieder Zeit für einen Besuch des A-Capella-Chors “Northern Spirit“ in Hellwege.

Wegen durch  Krankheitsausfällen reduziertem Ensemble tritt der überregional bekannte Chor in gedeckten Farben vor das Publikum und beginnt mit einem Plattdeutschen Weihnachtslied. Die Stimmen schweben zu den zahlreich erschienenen Gästen des HUK. Es ist Acapella-Klang vom Feinsten und nimmt die Zuhörer mit in eine Dimension, die das Weihnachtsfest in seiner Spiritualität näher bringt. Selbst die etwas urige Sprache des Plattdeutschen wirkt so, wie ein Geistervogel, der sich auf die Erde nieder lässt...

 

Das nächste Stück auf Latein unterstreicht dieses noch und mit leisen, aber präzisen Stimmen wird das Thema „Licht“ eindrucksvoll gestaltet. Die Grundstimmung überstrahlt der Sopran wie ein Stern über den Wolken und das Publikum wird eingefangen in die sphärische Klangwelt dieses Ausnahmechors.

 

Es folgt ein schwedisches Lied und es wird deutlich, das Northern Spirit die Kunst beherrscht, mit sachter Lautstärke die Stimmen weit in den Raum zu tragen. Zwischendurch gibt der australische Chorleiter erklärende Worte an die Besucher weiter und mit drei Volksliedern startet „Die Schwäbsche Eisenbahn“ in selten gehörter Lautmalerei ihre Fahrt. Auch derbe Lieder, wie das von Bolle, der mit seinem Jüngsten reiste…werden so moduliert, dass deutliche Bilder bei den Zuhörern entstehen. Für das beste Arrangement dieses Stückes gab es denn auch einen Preis für den Chor. Mit vielen Halbtönen gewürzt kommt der Gassenhauer total neu `rüber. Bekanntes wird mit Varianten neu gemischt und das Publikum „hat sich janz köstlich amüsiert“.

 

Mit einem baskischen Lied geht es in die Pause und danach „rieselt leise der Schnee“ auf die Gäste der Kulturinitiative Sottrum hier im Heimat und Kulturhaus Hellwege nieder. Das bekannte „Kling Glöckchen“ appelliert an die Menschenkinder, es doch in die warme Stube zu lassen und mit „Mach hoch die Tür“ werden die Zuhörer zum Mitsingen aufgefordert. Das Auditorium grummelt nur leise mit und trotzdem erreichen die feierlichen Schwingungen des Chors jeden Winkel des gemütlich hergerichteten Veranstaltungssaals der Gemeinde.

 

Mit „Stille Nacht“ wird nun eine zeitgenössische Variante des weltberühmten Weihnachtsliedes geboten. Ein australischer Komponist hat diesen “Welthit“ in eine Dimension gehoben, die einerseits berührt und andererseits Neues im Alten entdecken lässt.

Am Schluss wird mit dem Stück “Other Plans“ wiederum eine australische Komposition dargeboten. Wie der Chorleiter betont, hat dieses Lied einen indischen Hintergrund. Mit dem rollenden Stakkato -  Rhythmus erinnert es allerdings eher an afrikanische Klänge, und so sind wir am Ende der Veranstaltung in der Weihnachts-Weltmusik angekommen. Der Kreis schließt sich und mit einer plattdeutschen Zugabe und schwebenden Ausklängen endet die, fast etwas zu kurze, seelische Heilmassage von Northern Spirit in diesem Jahr. 

 

In Zeiten der Krisen fällt es manchem nicht leicht, sich in eine weihnachtliche Stimmung bringen zu lassen. Um so schöner ist es, wenn es den Interpreten von Musik gelingt, Sorgen und Nöte für einen Moment fallen zu lassen und sich in die Dimension der feierlichen Spiritualität zu begeben, in der die Friedensbotschaft von Weihnachten die Herzen berührt - und das hoffentlich nicht nur an diesen heiligen Tagen…